© 2017 Oliver Brosmann

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face+failure

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face+failure (FF) ist eine fotografische Gegenüberstellung von Gesicht und Verletzung, Makeln, Wunden oder Narben ein und desselben Menschen.

Ansatz von FF ist die Schönheit des gesellschaftlich Verfemten aufzuzeigen, indem einem fotografisch eher steril porträtierten Antlitz ein mit „Unzierde“ behaftetes körperliches Detail ein und desselben Menschen gegenübergestellt wird, welches der etablierten Anschauung von Abbildungsfähigem entgegensteht. Dabei wird versucht, die Aufmerksamkeit des Betrachters anhand des Porträts zu erregen, um ihn im nächsten Augenblick dem vermeintlich Unvollkommenen auszusetzen und somit eine relative Werteverschiebung anzuregen.

Wegen immer stereotyper werdender und häufig von außen angenommener Betrachtung und Bewertung des eigenen Mikrokosmos bis hin zu mediengesteuerter gesellschaftlicher Meinungsbildung und einem sozialen Gefüge, das fast nur noch zwei gegenüberliegende Polaritäten zulässt, möchte FF die heute zur Worthülse verkommene Idee einer Individualgesellschaft in Richtung Gesellschaft der Individuen aufbrechen und zeigen, dass eine Fülle von Originalität und Eigenart beständig gegeben ist die durch Interesse, Courage, Respekt und Achtung originelle Charaktereigenschaften und Betrachtungsweisen aufdeckt und somit eine mutige Ausrichtung des eigenen Werteverständnisses und der Individualität fördert.

Die Porträtfotografien in FF zielen in ihrer absoluten Zentrierung, den ungeschminkten Gesichtern und der farblichen Zurückhaltung in Richtung einer universellen Wirklichkeit. Dem gegenüber lassen die Aufnahmen der Makel eine Subjektivität zu die es dem Betrachter ermöglichen soll, sich unbefangener dem Motiv zu nähern. Wegen des großen dokumentarischen Inhaltes der Makelfotografien verzichtet FF bewusst auf eine ebenso dokumentarische Bildsprache und setzt die Objekte teils ironisch, teils offensiv jedoch stets in einer nicht zu erwartenden Ästhetik um. Das quadratische Format wurde gewählt, um die Komfortzone des Breitbildes bewusst zu stören und einen ikonenhaften Charakter in Form eines Labels, Avatars oder Piktogramms zu imitieren, der bei aller Nähe und Wahrheit der Fotografien den Menschen und ihren Geschichten Raum zur Würde und dem Betrachter individuellen Rückzug ermöglicht.

face+failure W.

English

face+failure (FF) is a photographic comparison of one person’s face and injury, flaws, wounds or scars.

FF’s basic approach is to illustrate the beauty in attributes which are typically ostracised by society. This is achieved by confronting a photographed, rather sterile facial portrait with an “aesthetically displeasing” flawed bodily detail of the same person, which goes against the established norm opinion of beauty. Here, it is hoped that the portrait will attract the beholder’s attention and bring him to abandon his prejudices and in doing so to create a change in values.

Due to ever increasing stereotypical judgement and evaluation of the microcosm, the influence the media has on the formation of social opinion and a social structure, which only allows for two polarities, FF would like to challenge the degenerated, empty clichés of the idea of an individual society and approach the idea of a society of individuals. FF does this by showing that an abundance of originality and character is constantly present through interest, courage and respect. That respect uncovers original personalities and points of view and in doing so advocates a courageous development of personal values and individuality.

The FF portrait photography aims to depict a universal truth, a reality and does so through the absolute centralised focus on faces without make up and a lack of colour. As a compliment to the photos of flaws invite a subjectivity, which allows the observer to approach the image more impartially. Due to the large documentary content of the photography of flaws, FF purposefully renounces a documentary picture language and always depicts subjects in an unexpected way - partly ironic, partly offensive.

The quadratic layout was chosen in order to purposefully disturb the comfort zone of the picture and to imitate an iconic character in the form of a label, virtual figure or pictogram. The frank honesty and proximity of this photography should preserve the subject’s dignity whilst allowing the beholder to retreat.

(Februar 2013)

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    Cover & Editorial 'gelb'

    Photo shooting Gisbert Rühl, CEO of Klöckner & Co SE for 'gelb' corporate magazine, released in March 2016.